Unsere Stadt Nagold ist in den zwei letzten Jahrzehnten bedeutend atterktiver geworden. Insbesondere durch die Innenstadtumfahrung, den Autobahnzubringer und die Landesgartenschau, die unter anderem auch einen bürgerlichen Zusammenhalt gefördert hat.  Dies hat nun zum Effekt, dass Nagold Zulauf gewonnen hat  – sowohl die Einkaufsstadt ist stärker geworden auch die touristische Besucherstadt.
Der Zustrom der Menschen wird jedoch nahezu ausschließlich mit dem PKW bewältigt. Hierfür wurde auch Anreiz geschaffen:

-Eine Stunde freies Parken in den öffentlichen Parkhäusern.

-Es wurden Parkhäuser und Parkanlagen gebaut ( Edeka drei Ebenen, Weihergäßle, Teufelareal, jetzt OHG-Tiefgarage für 7 Millionen Euro).

-Wegen der Coronapandemie fahren viele Eltern ihre Schulkinder mit dem PKW zur Schule und holen sie wieder ab (verständlich, der Bus stellt ein Risiko dar). Die Busse fahren trotzdem -nun aber weniger besetzt.

-Seit der Coronapandemie werden viele Waren online bestellt und ans Haus geliefert. Nahezu alle mit Kraftwagen.

Fazit: Der mobilitätsbedingte CO2 – Ausstoß (99% Kraftstoff) hat seit 2013  ( 78 000 Tonnen, nach dem Territorialprinzip 38 000 Tonnen) sicherlich zugenommen.

Schon 2013 lag die CO2 Emission des KfZ-Verkehrs in Nagold 11% über dem Landesdurchschnitt. Unser Ökologischer Fußabdruck verlangt Veränderungen- das Vorantreiben dafür sollte nicht erst nach einer dreijährigen Erhebungsstudie (European Energy Award) erfolgen, es können Schätzungen gemacht werden, die die Klimasituation bezüglich des Verkehrs in und um Nagold beleuchen.

So könnte man sagen, dass wir uns in einem „Zugzwang“ befinden – ein Zwang zum Zug nach Herrenberg.  Nagold For Future unterstützt die Bemühungen.




SPD-Kreistagsfraktion im Landkreis Calw
An den Landrat
Helmut Riegger
24. Februar 2021
Schienenverbindung Nagold – Herrenberg
Antrag für den Kreistag
Der Landrat wird gebeten,dem Landkreis Böblingen eine gemeinsame Machbarkeitsstudie nach dem GVFG2020 für eine
Regionalstadtbahn Nagold – Herrenberg als Teil eines Schienennetzes mit Erweiterungsoptionnach Westen (Altensteig) und Durchbindung nach Osten (Tübingen)vorzuschlagen.

Begründung
Die Direktanbindung Nagold – Herrenberg ist die kürzeste und effizienteste Schienenverbindung
des Raums Nagold/Oberes Gäu in die Netze des Großraums Stuttgart und der Region Neckar-Alb.
Das Fahrgastpotenzial ist höher als bei jeder anderen Anbindungsvariante. Damit ist auch der umwelt-
und klimapolitische Nutzen durch Umstieg auf die Schiene am größten.

Durch die Anbindung einwohnerstarker Gemeinden zwischen Herrenberg und Nagold sowie der Industrieparks
– ING und Nagold-Wolfsberg – erhält nicht nur der Pendlerverkehr in und aus der Region
Stuttgart, sondern der ganze Nahverkehr innerhalb des Oberen Gäus ein attraktives Angebot.
Das ist noch nicht alles. Durch vergleichsweise einfache Anschlussoptionen nach Osten und Westen
kann die kurze Verbindung Nagold – Herrenberg als Plattform für ein Nahverkehrsnetz dienen, das
eine Vielzahl von Gemeinden und Standorte auf der Schiene miteinander verbindet (s. Anhang)

Neue Förderkulisse 2020
 Nach dem neuen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) vom März 2020 wird die
Fördersumme des Bundes für kommunale Schieneninvestitionen 2020 verdoppelt und weiter
stufenweise bis 2025 auf das Sechsfache erhöht.

Die Förderquote des Bundes wird von 60% auf 75 % erhöht. Dazu kommt der Förderanteil
des Landes (bisher 10-15%, die mindestens beibehalten werden soll). Daraus ergibt sich
eine staatlicher Förderung von 85 – 90% der förderfähigen Kosten.
 Die förderfähigen Kosten umfassen ab 2020 neu auch Teile der Planungskosten, die bisher
von den Kommunen allein zu bestreiten waren.

Bei Berechnung des volkswirtschaftlichen Nutzens in der Standardisierten Bewertung werden
die Umweltfaktoren (d.h. jene Faktoren, die die Wahl des umweltfreundlichsten Verkehrsmittels
begünstigen) höher gewichtet.

Fazit: Mit diesem Paradigmenwechsel werden nun viele kommunale Schienenprojekte staatlich
förderfähig, die in der Vergangenheit keine Chance hatten.

Warum Machbarkeitsstudie?
Sie dient dazu, vor Einstieg in eine konkrete ÖPNV-Planung zuverlässig abschätzen zu können, ob
das Projekt umgesetzt werden kann, insbesondere ob der volkswirtschaftliche Nutzen groß genug
ist, um die erforderliche staatliche Förderung sicherzustellen („Standardisierte Bewertung“).
Der Antrag trägt Gründe zusammen, die dafür sprechen, dieses Projekt zu verwirklichen. Er beruht
auf eingehenden Gesprächen mit Verkehrs- und Schienenexperten, die seit Frühjahr 2020 geführt
wurden, und in denen erhebliche verkehrswirtschaftliche und ökologische Vorteile aufgezeigt wurden.
Der Antrag formuliert zunächst das raum-politische Konzept und zeigt seine Vorteile und sein
Potenzial. Die infrastrukturellen und ökologischen Vorteile, die das Projekt vermuten lässt, müssen
durch eine unabhängige Machbarkeitsuntersuchung verifiziert werden. Erst wenn diese vorliegt,
steht der Kreistag auf festem Boden für weitere Entscheidungen. Da die Verbindung die Grenze der
beiden Kreise überschreitet, wäre es vernünftig, sie gemeinsam zu beauftragen.
Zur Frage möglicher Synergien des Stadtbahnprojekts mit MetropolexpressPlanungen im Rahmen einer „Stufenkonzeption“

Im Oktober berichtete Landrat Riegger im Kreistag von einem Gespräch, das er unlängst
bei einem Vor-Ort-Termin an der Hesse-Bahn mit Verkehrsminister Winfried Hermann geführt
hat. Auf die verkehrs- und umweltpolitisch interessante Perspektive eines von den
Kreisen Calw und Böblingen gemeinsam vorangetriebenen flächenhaften Stadtbahn-Projekts
habe der Minister geraten, der Frage nachzugehen: Ob es sinnvoll sein könnte, das
Projekt „Mex“ als eine „Stufe 1“ anzugehen, über die in die Elektrifizierung der Nagoldtal-
Bahn eingestiegen werden kann, und das Stadtbahnprojekt anschließend als „Stufe 2“ in
Angriff zu nehmen. Bereits parallel zur Planung des Mex, so der Minister laut Bericht des
Landrats, könne man die Stufe 2 als Konzept ausarbeiten, die Wirtschaftlichkeit darlegen
und „im politischen Raum Unterstützung mobilisieren“.

Wird der beschriebenen Konzeption die Förderfähigkeit nach GVFG grundsätzlich bescheinigt
(das soll die Machbarkeitsstudie leisten), wäre zu klären, wie ein entsprechendes Stufenszenario
aussehen könnte, und ob es Synergien für das Gesamtvorhaben verspricht.Dr.
Dr. Ulla Utters Dieter Dannenmann Dr. Rainer Prewo
Fraktionssprecherin Stv. Fraktionssprecher

Anhang
Dr. Ulrich Mansfeld Dr. Rainer Prewo Hans-Joachim Knupfer
Altstadtrat Nagold Kreisrat Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn
Oberbürgermeister a.D. B.A.U.S
Schienenverbindung Nagold – Herrenberg

Was muss moderne Mobilitätsplanung leisten?
Moderne Infrastrukturen zielen nicht allein auf das Überbrücken einer Entfernung von A nach B,
sondern nehmen die Erschließung aller Teilräume in den Blick. Nicht nur Fahrten vom Wohn- zum
Arbeitsort, sondern die meisten Bereiche unseres täglichen Lebens bedürfen der Mobilität: Freizeit,
Kultur, Sport, Familie, Einkaufen, Bildung – sind ohne Mobilität undenkbar. Dazu braucht es
Verkehrsmittel, die Räume bedienen.
Empirische Studien zeigen, dass der Bedarf nach öffentlichen Verkehrsleistungen stetig zunimmt,
z.B. in die Ballungszentren. Doch es gilt ebenso für den, statistisch gesprochen, gestreuten (z.B.
Freizeit-, Shopping-) Verkehr (eher noch mehr). Die Mobilität wird vielfältiger und individueller.
Also muss eine Infrastruktur, die aus der Sicht des südlichen Kreises Calw her geplant wird, neben
so bedeutenden Zielen wie Stuttgart oder Sindelfingen-Böblingen einer großen Vielfalt von Zielen
und Moblitätsinteressen gerecht werden. Die öffentliche Mobilität wurde lange zugunsten des
Individualverkehrs vernachlässigt. Heute kommt der Klimawandel als mächtiger Grund hinzu, die
Planungsziele neu abzustecken. Optimierung des Schienenverkehrs im ländlichen Raum wird ein
zunehmend wichtiger Baustein sein, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verbessern und damit
unsere Verantwortung für folgende Generationen wahrzunehmen.

Infrastruktur wertet den Raum auch wirtschaftlich auf. Erschließungsstarke Infrastruktur leistet das
am besten. Sie beschränkt die Vorteile nicht auf einen oder wenige Punkte, sondern verteilt sie im
ganzen Raum. Damit stellt sie zugleich ihre eigene Wirtschaftlichkeit auf solide Grundlagen.
Nagold – Herrenberg – Stuttgart
Mit dem Lückenschluss Nagold-Herrenberg entsteht eine durchgehende Schienenstrecke in die Region
Stuttgart, die Nagold mit Stuttgart-Zentrum und allen auf dem Strang der S 1 liegenden Orten
verbindet, mit einem Umstieg in Herrenberg, der bahnsteiggleich hergestellt werden kann.
Darüber hinaus eröffnet der Lückenschluss, wie eine Plattform mit mehreren Ein- und Ausgängen,
neue Verbindungen in die nachbarschaftlichen Räume.

Regionale Mobilitätsoptionen
 Tübingen – Neckar-Alb-Region: In Herrenberg zur Ammertalbahn und damit in das Netz
der künftigen Regionalstadtbahn Neckar-Alb (Zweckverband gegründet 2019). Die Elektrifizierung
der Ammertal ist planfestgestellt und wird bis Ende 2022 umgesetzt. Die Durchbindung
von und nach Nagold ist technisch möglich und wird vom Kreis Böblingen begrüßt
Diese Netzverbindung, für die lediglich die Lücke Nagold-Herrenberg zu schließen ist, sollte
gleich in die Machbarkeitsstudie mit aufgenommen und dann sogleich mitgeplant werden.
 Nach Westen kann die Verbindung ins obere Nagoldtal bis Altensteig verlängert werden.
Das ist technisch einfach, denn die topographische Hauptbarriere liegt zwischen Jettingen
und Nagold. Westlich Nagold fährt die Bahn auf ebener Strecke.
(Muster: Die Talgangbahn von Abstadt-Ebingen nach Onstmettingen, die im Zug der Regio
nalstadtbahn Neckar-Alb auch neu gebaut wird.)
– Diese Netzerweiterung sollte ebenfalls gleich in die Machbarkeitsstudie mit aufgenommen
und dann mitgeplant werden.
 Das Stadtbahnnetz im oberen Gäu, das so entsteht, ist ganz in kommunaler Hand, unabhängig
von DB-Strecken.

Nach Norden über Calw bietet der strategische Ansatz der Regionalstadtbahn gleichfalls interessante
Möglichkeiten. Voraussetzung ist hierfür die Elektrifizierung der Nagoldtalbahn.
Die fahrzeugtechnischen Synergien liegen auf der Hand (Enztalbahn, AVG). Perspektivisch
ergibt sich so – mit der Plattform Nagold-Herrenberg – eine Verbindung von der Schwäbischen
Alb bis Karlsruhe. Es entsteht dann, ohne Neubau einer einzigen weiteren Teilstrecke,
eine Südwest-Umfahrung des überlasteten Knotens Stuttgart. Damit lässt sich auch die in
Karlsruhe vorgesehene Zentralwerkstatt der Stadtbahnen einfacher erreichen.

Technische und betriebliche Synergien
 Systemgleiche Fahrzeuge mit der in Herrenberg verknüpften Regionalstadtbahn Neckar-Alb,
diese wiederum systemgleich mit den Karlsruher Stadtbahnen (AVG). Das bringt erhebliche
Kostenminderungen – von der Anschaffung, Instandhaltung bis zur Austauschbarkeit. Gegenwärtig
ist ein Bestellerverbund kommunaler Zweckverbände in Baden-Württemberg,
Bayern und Österreich im Entstehen, dem, mit der Karlsruher Ausrüstungslinie, eine große
Marktmacht zukommen wird.
 Verkehrsrechtlich handelt es sich um eine Zwei-System-Stadtbahn, die sowohl auf Eisenbahnstrecken
als auch im Straßenraum (wie eine Straßenbahn) fahren kann (wie Enztal-,
Albtalbahn), was sie für Strecken wie Nagold-Rohrdorf-Ebhausen-Altensteig prädestiniert.
Moderne Stadtbahnzüge sind standardmäßig für Neigungen bis 10 % ausgelegt (zum Vergleich SBahn
max. 4%). Ein Tunnel zwischen Jettingen und Nagold (wie früher angenommen) ist damit
entbehrlich.